Die Korrekturen
Autor: Jonathan Franzen
Verlag: Rowohlt
ISBN: 3499235234
Originaltitel: The Corrections
Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbarnell Kategorie: Romane & Erzählungen
Inhalt: Al und Enid sind schon seit vielen Jahren verheiratet. Da Al seit kurzem an Parkinson leidet und immer mehr in die Fänge dieser Krankheit gerät, wünscht sich Enid ein letztes Weihnachtsfest mit der ganzen Familie in ihrem Haus. Doch ihre drei Kinder Gary, Chip und Denise haben ihre eigenen Probleme und tun sich schwer damit, dem Wunsch ihrer Mutter nachzukommen.
Gary lebt mit seiner Frau Caroline und seinen drei Söhnen in Philadelphia, seine Ehe steht zur Zeit unter keinem guten Stern, denn immer wieder hat er das Gefühl, dass seine Frau sich mit den Söhnen gegen ihn verschwört. Noch dazu befürchtet er, depressiv zu sein, was er jedoch keinesfalls zugeben möchte.
Chips Leben liegt zur Zeit in Trümmern, seine Freundin hat ihn gerade verlassen und nach einer Affäre mit einer Studentin ist er auch seinen Job als Universitätsdozent los. Und so versucht er, sich als Drehbuchschreiber zu verdingen, allerdings bisher mit wenig Erfolg. So kommt es, dass ihn ein zweifelhaftes Jobangebot nach Litauen lockt.
Unterdessen ist Denise nach einer gescheiterten Ehe ebenfalls in Nöten. Obwohl sie zunächst ein äußerst gutgehendes, exklusives Restaurant leitete, haben auch sie private Fehlschläge eingeholt, die sie ihren Eltern keinesfalls eingestehen will.
Meine Meinung:
  
Zunächst wusste ich nicht so richtig, was ich von dem Buch halten soll, es war auf jeden Fall recht ungewöhnlich. Es begann mit mehreren Sätzen im Telegrammstiel, die mich sehr irritierten, so etwas lese ich gar nicht gerne. Zum Glück war das schnell vorbei. Die Beschreibung des alten Ehepaares fand ich zum Teil bedrückend, zum Teil fast schon amüsant. Franzen wählt ungewöhnliche Vergleiche, was das ganze aber interessant macht.
Zahlreiche Gedankensprünge machen es nicht immer leicht, der Handlung zu folgen, auch sonst lässt sich die Geschichte anfangs nicht gerade flüssig lesen. Dennoch ist es spannend, was nicht zuletzt an der ausgefeilten Charakterisierung der Personen liegt. Dadurch, dass der Leser die verschiedenen Perspektiven kennt, werden die Handlungen nachvollziehbar, jedoch ist genauso offensichtlich, warum manches von den anderen falsch interpretiert oder anders wahrgenommen wird.
Interessanterweise blieben mir bis auf Denise alle Charaktere unsympathisch, was das Lesevergnügen aber keineswegs beeinträchtigte. Im Gegenteil sogar, Franzen hat die ganz persönlichen Abgründe der einzelnen Figuren so realistisch und eindrucksvoll nachgezeichnet, dass man sie zwar nicht schätzen lernt, aber manchmal doch zumindest versteht.
Das Hauptproblem in der Familie liegt in der mangelnden Kommunikationsfähigkeit und in der Neigung, die Schuld für eigene Probleme bei anderen zu suchen. In erster Linie ist es deprimierend zu lesen, wie Al immer mehr seiner Krankheit verfällt, wie die übrigen Familienmitglieder nicht damit zurecht kommen und wie jede Unterhaltung fast zwangsläufig in die falsche Richtung verläuft. Dennoch ist es dem Autor gelungen, die tragische Situation nicht schwermütig darzustellen, sondern fast beiläufig als gegebene Tatsache zu präsentieren.
Warum dieses Buch im letzten Jahr als eines der besten gefeiert wurde, kann ich nun in Ansätzen verstehen, denn auch ich fand es nach den anfänglichen Schwierigkeiten äußerst interessant und geschickt angelegt. Der Stil Franzens ist zweifelsohne sehr gewöhnungsbedürftig und vermutlich nicht jedermanns Sache. Auch wenn ich der Meinung bin, dass die Begeisterung über dieses Buch vielleicht ein wenig übertrieben war, kann ich es guten Gewissens weiter empfehlen.
Natalie Mareth, 2004-05-04
Erklärung zur Bewertung:
Lieblingsbücher
sehr gut
gut
durchschnittlich
nicht mein Fall
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Der Autor:
Jonathan Franzen wurde 1959 in Western Springs / Illinois geboren, er wuchs in einer Vorstadt von St. Louis auf. Sein erster Roman, "The Twenty-Seventh City" erschien 1988, 2001 erhielt er für "Die Korrekturen" den National Book Award. Er lebt in New York. [mehr] weitere Titel von Jonathan Franzen auf der Bücherwurmseite:
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