Der Geschichtenverkäufer
Autor: Jostein Gaarder
Verlag: Hanser
ISBN: 3446202102
Originaltitel: Sirkusdirektorens datter
Deutsch von Gabriele Haefs Kategorie: Romane & Erzählungen
Inhalt: Petter ist ein seltsames Kind. Anstatt mit anderen Kindern zu spielen, beobachtet er sie lieber oder ist für sich allein und denkt sich Geschichten aus. Das fällt ihm leicht, denn er hat eine sehr lebhafte Fantasie, so lebhaft, dass es ihm manchmal schwer fällt zu unterscheiden, ob etwas wirklich passiert ist, oder ob er sich es nur ausgedacht hat.
Als Einzelgänger wird er zunächst gehänselt und verprügelt, doch dann kommt er darauf, seinen Ideenreichtum zu nutzen. Er beginnt, für seine Mitschüler die Hausaufgaben zu erledigen, zunächst nur, wenn es um Geschichten schreiben geht, später weitet er sein Tätigkeitsfeld aus. Er durchschaut schnell, dass diese Hilfe den Lehrern nicht auffallen darf und baut so bewusst, je nach Leistungsstand des Auftragsgebers, die entsprechenden Fehler ein. Schnell findet er Spaß an dieser Tätigkeit, es wird fast zum Sport für ihn, immer die passende Note zu liefern. Doch er achtet sehr darauf, dass seine Kunden nichts voneinander erfahren, jeder denkt, dass er der einzige ist, dem Petter die Hausaufgaben erledigt.
Natürlich macht Petter diese Arbeit nicht einfach so, sondern er fordert Bezahlung, aber nicht gerade im herkömmlichen Sinn. So kann sein Honorar ein Streich im Unterricht sein.
Nach seiner Schulzeit beginnt er, mit seinen Geschichten auch Geld zu verdienen. Immer mehr Autoren, die unter Schreibblokaden oder ähnlichem leiden, werden zu seinen Kunden und verlassen sich bald völlig auf ihn. Er verdient fleißig dabei und achtet nach wie vor darauf, dass niemand mitbekommt, dass er auch für andere arbeitet. Doch irgendwann beginnen Gerüchte in Umlauf zu kommen, die von seiner Existenz erzählen. Die Situation wird für Petter gefährlich, denn keiner "seiner" Autoren möchte bloßgestellt werden. Er muss sich fragen, wie weit ein Autor gehen würde, um seinen Ghostwriter geheim zu halten.
Meine Meinung:
   
Dieses Buch war ausgesprochen unterhaltsam. Die seltsame Geschichte über einen Geschichtenerzähler hat mich sofort fasziniert. Besonders die Charakterisierung Petters fand ich beeindruckend, seine Eigenheiten wirkten teilweise so absurd, dass sie schon wieder glaubhaft waren.
Auch finde ich die Idee, dass auf einmal der größte Teil des Buchmarktes den Ideen einer einzelnen Person entsprungen sind, sehr interessant. Denn Petter beginnt im Verlauf des Romans nicht nur den norwegischen Buchmarkt zu beherrschen, sonden dehnt seine Tätigkeiten überall in Europa aus.
Gaarder geht dabei nicht besonders schonend mit der Autorenszene um. Er teilt Petters Kunden in mehrere Gruppen ein: die Autoren, die einmal erfolgreich veröffentlichten und danach nichts mehr zustande brachten, die Autoren, die hervorragend schreiben, aber keine Ideen mehr haben und die Autoren, die noch nie etwas veröffentlicht haben, aber der Meinung sind, sie seien die geborenen Schriftsteller. Sicherlich hat er die Situation reichlich überspitzt dargestellt, aber die Grundidee ist nicht ganz falsch. Schließlich meint heutzutage jeder, der sich für wichtig hält, er müsse Bücher veröffentlichen.
Natalie Mareth, 2002-09-30
Erklärung zur Bewertung:
Lieblingsbücher
sehr gut
gut
durchschnittlich
nicht mein Fall
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