Der Buchhändler aus Kabul
Autor: Åsne Seierstad
Verlag: Claassen
ISBN: 3546003306
Originaltitel: Bokhandleren i Kabul
Aus dem Norwegischen von Holger Wolandt Kategorie: Romane & Erzählungen
Inhalt: Afghanistan ist ein Land, das in den letzten Jahren viele Veränderungen erfahren hat. Besonders seit das Taliban-Regime abdanken musste hat sich das Alltagsleben geändert.
Die norwegische Journalistin Åsne Seierstad hat während ihrem Aufenthalt in Kabul einen Buchhändler kennen gelernt, der seinen Buchladen allen politischen Wirrungen zum Trotz seit Jahren durchgebracht hat. Von seinem Leben war sie so fasziniert, dass sie ein halbes Jahr bei seiner Familie verbrachte, um deren Geschichte aufzuschreiben. Daraus ist dieser Roman entstanden.
Sie erzählt die Geschichte Sultan Khans, dem Oberhaupt der Familie, der einst mit einem kleinen Stand begann und nun mehrere Buchläden in Kabul besitzt. Sie erzählt die Geschichte von Sultans Schwestern, die als Frauen kein Recht auf Selbstbestimmung haben und das tun müssen, was die männlichen Familienmitglieder bestimmen. Und sie erzählt von Sultans Frauen und Kindern, die sich ebenfalls dem Willen des Patriarchen beugen müssen. Jede einzelne dieser Geschichten zeigt ein Stück des Lebens in Afghanistan.
Meine Meinung:
  
Im Vorwort betont die Autorin ausdrücklich, dass sie keine "typische" afghanische Familie beschrieben hat. Dennoch denke ich, dass sie mit diesem Buch sehr viel über das Leben und die Kultur Afghanistans erzählt. Denn auch wenn die Familie Khan keine Durchschnittsfamilie ist, hat sie doch den gleichen geschichtlichen Hintergrund wie viele andere, und auch die Rollenverteilung in der Familie wird meist ähnlich sein.
Und so ist ein wesentlicher Punkt in diesem Buch die Rolle der Frau in ihrer Familie und in der Gesellschaft. Ohne die ganze Zeit mit dem moralischen Zeigefinger zu winken gelingt es Seierstad, die Umstände, mit denen die Frauen zu kämpfen haben, anzuprangern. Denn auch wenn sie seit dem Ende des Taliban-Regimes nicht mehr gezwungen sind, sich in der Burkha in der Öffentlichkeit zu zeigen und wieder Schulen besuchen dürfen, so unterliegen sie dennoch immer dem Willen des männlichen Familienoberhauptes und dürfen kaum Entscheidungen selbst treffen.
Überrascht war ich über die sehr kritische Darstellung des Familienoberhauptes, immerhin der Mann, der die Autorin einlud, sein Gast zu sein. Ich hätte wohl nicht erwartet, dass er als weltgewandter Buchhändler in familiären und geschäftlichen Bereichen dermaßen engstirnig sein kann.
Gestört hat mich lediglich, dass der Inhalt sich gelegentlich wiederholt. In jedem Kapitel steht ein Familienmitglied besonders im Vordergrund und wird näher charakterisiert. Wird in einem anderen Kapitel dann nochmal auf diese Person Bezug genommen, erfolgt erneut eine kurze Zusammenfassung der Charakterisierung. Meist empfand ich dies als überflüssig, manchmal war es jedoch auch ganz hilfreich, da ich dann bei den weit verzweigten Familiensträngen den Durchblick verloren hatte.
Aber alles in allem war dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite äußerst lesenwert. Ich kann es jedem, der etwas mehr über die Geschichte von Afghanistan und über das Leben dort wissen möchte, nur empfehlen.
Natalie Mareth, 2003-07-28
Erklärung zur Bewertung:
Lieblingsbücher
sehr gut
gut
durchschnittlich
nicht mein Fall
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Die Autorin:
Åsne Seierstad wurde 1970 in Oslo geboren. Sie arbeitet als Korrespondentin für mehrere Zeitungen und berichtet häufig von Kriegsschauplätzen. Für ihre Berichterstattung im Kosovo-Krieg wurde sie ausgezeichnet. weitere Titel von Åsne Seierstad auf der Bücherwurmseite:
Keine weiteren Buchbesprechungen auf der Bücherwurmseite
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