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1. Karlsruher Lesenacht (03.07.2003) - http://www.buecherwurmseite.de
     
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1. Karlsruher Lesenacht

Im Rahmen des Zelttheaters des Badischen Staatstheaters fand dieses Jahr am 03.07.2003 die 1. Karlsruher Lesenacht statt. 10 Autoren, die bisher noch nicht in großen Verlagen veröffentlicht hatten, sollte hier die Möglichkeit gegeben werden, ihre Talente vorzustellen. Außerdem sollten die besten Darbietungen von einer Jury prämiert werden, die Preise von 300 €, 200 € und 100 € wurden von der Gesellschaft der Freunde des Staatstheaters gestiftet. Durch den Abend führte Michael Hübl, der Feuilletonchef der "Badischen Neuesten Nachrichten". Oder sollte ich lieber sagen "hätte führen sollen"? Denn von Führung war nicht viel zu merken, Hübl wirkte unbeholfen und nicht eben übermäßig gut vorbereitet. Zudem war der Ablauf scheinbar nicht mit den Autoren abgesprochen, die ganz überrascht darüber waren, dass sie auch noch im persönlichen Gespräch Rede und Antwort stehen sollten. Dementsprechend liefen diese Gespräche dann auch ab Informationen waren daraus kaum zu gewinnen. Größtes Manko war aber für mich, dass die Autoren nicht einmal richtig vorgestellt wurden, manche immerhin mit vollständigem Namen, einige aber auch nur mit Nachnamen. Gerne hätte ich auch gewusst, was die Schriftsteller im "normalen" Leben machen, da sie ja offensichtlich noch nicht von der Schreiberei leben können, was sie bisher schon alles geschrieben haben und gerade bei den jüngeren hätte mich durchaus auch das Alter interessiert. Hierzu wurde in den meisten Fällen aber kein Wort verloren. Und so habe ich mir nun aus der Tageszeitung die Namen der beteiligten Personen zusammengeklaubt, damit ich sie wenigstens korrekt erwähne.

Bei aller Kritik, die jetzt zu den einzelnen Autoren folgen mag, möchte ich vorneweg eins klarstellen. Ich bewundere jeden einzelnen von ihnen, dass sie sich getraut haben, sich und ihre Werke dem Publikum zu stellen. Und ich kann es garantiert nicht besser, im Gegenteil. Ich schreibe hier lediglich, ob es mir gefallen hat oder nicht.

Den Anfang machte S.F. Ahrens mit Gedichten. Er hatte sicherlich den Nachteil, gleich als erster auf die Bühne zu müssen, ungeachtet dessen konnte er mich aber trotzdem nicht überzeugen. Seine Gedichte gingen nicht an mich heran. Danach war Anja Kümmel an der Reihe. Im Vorgespräch erzählte sie, dass sie zur Zeit an ihrem vierten Roman schreibe, vorlesen werde sie aber aus ihrem dritten Roman "Hopes Besessenheit". Ihre Lesung ist interessant, ihre Sprache eine eigenwillige Mischung aus altmodischen Ausdrücken und modernen Begriffen. Inhaltlich traf ihre Geschichte nicht meinen Geschmack, aber stilistisch hat es mir gefallen. Außerdem kam für sie das Handicap hinzu, dass schwerer Regen eingesetzt hatte, der auf das Zeltdach prasselte und nahezu alles übertönte, wodurch sie sich allerdings kaum beeindrucken ließ.

Dann kam erstmals mit Rainer Schindler ein etwas älterer Herr auf die Bühne. Mit älter meine ich jetzt nicht alt, aber in der Gruppe der restlichen Autoren, die ich mit einer Ausnahme alle auf 18 bis Mitte 30 geschätzt hätte, fiel er etwas heraus. Schindler ist Mundart-Autor und Fan von Harald Hurst, wie er erzählt. Aber für ein weiteres Gespräch war er zu aufgeregt, weshalb er dann gleich mit seiner ersten Geschichte "Net uffrege" begann. Wider Erwarten verstand ich ihn sogar und fand die Geschichte ganz unterhaltsam. Die zweite Geschichte war dann aber ziemlich langatmig und ermüdend.

Als nächstes folgte Bernd Marshall, der seit 1993 schreibt und vorher in Karlsruhe Literatur studierte. Sein Text "Körperwelten" spielt auf die gleichnamige Ausstellung an und zieht deren Erschaffer Gunter von Hagens etwas durch den Kakao, ohne ihn jedoch beim Namen zu nennen. Sprachlich und stilistisch meiner Meinung nach nicht schlecht, allerdings empfand ich Marshalls Art zu lesen als sehr unangenehm, was den Lesegenuss stark beeinträchtigte. Auch war das Thema ganz offen gesagt einfach nicht mein Ding.

Als letzter vor der Pause war nun der Mathematik-Student Diego de Fillipi an der Reihe. Seine Gedichte hatten unbestritten großen Unterhaltungswert, denn neben wenigen ernsten Werken brachte er hauptsächlich kurze, teilweise leicht obszöne und karrikative Stücke. Dem Publikum gefiel es, und so erhielt er am Ende den Publikumspreis (einen Blumenstrauß), der nach der Menge des Applauses vergeben wurde.

Nach der Pause ging es ebenfalls mit Gedichten weiter. Jost Stüben, der sowohl Prosa als auch Lyrik schreibt, trug zunächst einige seiner gereimten Werke aus dem Omram-Zyklus vor, die mich aber nicht überzeugten, das Reimschema wirkte irgendwie erzwungen. Anschließend las er noch die Kurzgeschichte "Das verlorene Ich", eine sehr gehetzte Lesung, die keinen bleibenden Eindruck hinterließ.

Dann war es an Oliver Koch, sich zu präsentieren. Seine Geschichte "Mit einem Lächeln im Gesicht" zeigte für mich durchaus, dass er literarisches Talent hat, besondrs fielen mir sehr detaillierte Beobachtungen auf. Allerdings ist das ganze etwas zu lang geraten und wirkte irgendwann dann übertrieben.

Nach diesem Beitrag kam ein Autorenduo auf die Bühne. Max Weigl und Hirad Akbary (die beide auf mich noch sehr jung wirken) schreiben schon länger gemeinsam, Weigl führte das Gespräch mit Hübl und Akbary las dann aus ihrem Roman "Regen" das erste Kapitel. Aus meiner Sicht hätten sie lieber etwas tiefer in die Handlung einsteigen sollen, denn obwohl sprachlich durchaus ansprechend passiert zunächst nicht viel, erst gegen Ende schien etwas Bewegung in den Text zu kommen. Mir war das zu langatmig.

Anschließend waren noch einmal Gedichte an der Reihe, Astrid Bohra präsentiere nachdenkliche Zeilen. Zu ihr kann ich erhlich gesagt nicht viel sagen, denn zu diesem Zeitpunkt war ich schon zu müde und zu überfüttert, so dass ich nicht mehr in der Lage war, mich auf ihre Texte einzulassen.

Um so erfreulicher war dann, dass ich noch einmal wachgerüttelt wurde, nämlich von dem letzten Beitrag. Johannes Franzen, Schüler der 12. Klasse, las seine Kurzgeschichte "Die Bombe im Eis". Meiner Ansicht nach mit Abstand der beste Beitrag des Abends. Besonders beeindruckt hat mich die sprachliche Gewandheit des Autors, auch inhaltlich wirkte die Geschichte in sich stimmig. Lediglich das Ende kam mir etwas zu schwülstig daher, interessanter Weise fand auch die Jury ihren einzigen Kritikpunkt im Schluß.

Nach der Applaus-Abstimmung zog sich die Jury, bestehend aus Prof. Dr. Schmidt-Bergmann von der Literarischen Gesellschaft, Dr. Fath vom Kulturamt der Stadt, Frau Först von der Braunschen Universitätsbuchhandlung und Herrn Weber, dem Schauspieldirektor zu einer zehnminütigen Beratung zurück (die Jury wurde übrigens auch den ganzen Abend lang nicht einmal namentlich erwähnt, fand ich ebenfalls sehr schwach).

Dann kam es endlich zur Preisvergabe. Wie bereits erwähnt erhielt Diego de Fillipi den Publikumspreis, der dritte Preis, dotiert mit 100 € ging an Anja Kümmel. Den zweiten Preis (200 €) erhielt das Autorenduo Max Weigl und Hirad Akbary und zu meiner großen Freude ging der erste Preis (300 €) an Johannes Franzen.

Mein Resümee: ich hatte mir den Abend etwas anders vorgestellt (einige andere Leute offensichtlich auch, denn nach der Pause war das Zelt wesentlich leerer). Mit Ausnahme des Siegers war eigentlich kein Beitrag dabei, der mich so überzeugt hätte, dass ich unbedingt noch mehr von dem Autor lesen wollte. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich es sehr schwer finde, Lyrik, Kurzgeschichten, Romane und Mundart miteinander zu vergleichen. Falls diese Veranstaltung wieder einmal durchgeführt werden sollte, würde ich mir mehr Informationen zu den Autoren wünschen, außerdem sollte man die Zahl der Lesungen vielleicht auf acht senken, damit der Abend sich nicht so in die Länge zieht.

   
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